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Literatur

»Graphic Reportages« – beißend realistisch
»Graphic Reportages« – beißend realistisch

Victoria Lomasko

Die Unsichtbaren und die Zornigen

Das Buch Die Unsichtbaren und die Zornigen versammelt grafische Reportagen aus den Jahren 2008 bis 2016. »Die Unsichtbaren« und »Die Zornigen« sind gleichzeitig die zwei großen Blöcke, in denen die Reportagen chronologisch aufeinander folgen. In dem hier umspannten Zeitraum haben sich die politische Situation und das Leben der Menschen in Russland stark gewandelt, wodurch sich auch die Auswahl meiner Themen und Protagonisten sowie meine Arbeitsweise verändert hat. »Die Unsichtbaren« erzählen Geschichten von Insassen in Ju­gendstraflagern, von Lehrern und Schülern in Dorfschulen,...
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Aktuelle Texte
Es gibt kein absolutes Besonderes.

Rolf Bossart, Milo Rau

Es gibt kein absolutes Besonderes.

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Themen

 

»Ein Angriff auf das Allgemeine durch den Einzelfall«
»Ein Angriff auf das Allgemeine durch den Einzelfall«

James Agee

Projekte; Oktober 1937

An folgenden Projekten arbeite ich, würde sie gerne beginnen oder werde mich ihnen wahrscheinlich wieder zuwenden. Zuerst führe ich sie in einer Liste auf, dann erläutere ich die meisten etwas detaillierter. Aufzeichnungen aus Alabama. Briefe. Eine Geschichte über Homosexualität und Football. Nachrichten. Sich selbst auf den Leim gehen. Ein Wörterbuch der Schlüsselbegriffe. Bemerkungen zur Farbphotographie. Eine Revue. Shakespeare. Ein Cabaret. Wochenschau. Filmtheater. Eine neuartige Bühnen-Leinwand-Show. Antikommunistisches Manifest. Drei bis vier Liebesgeschichten. Eine neue Art Sexbuch. »Glamour«-Literatur. Eine Studie zur Pathologie der »Faulheit«. Eine neue Art Horror-Geschichte.
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Aktuelle Texte

Jochen Thermann

Ich hätte ihn nicht einstellen dürfen

Ich hätte ihn nicht einstellen dürfen. Dabei schien er geeignet, meinen regulären Koch zu vertreten. Schneider hatte sich krankgemeldet, und da es eine langwierige Geschichte zu werden drohte, hatte ich den stämmigen kleinen Mann, der nur gebrochen deutsch sprach, ohne viel Aufhebens eingestellt. Das Geschäft musste schließlich weitergehen, die Gäste waren hungrig.

Oft werden einem ja die komplizierten Beziehungen, die man unterhält und die von einem schwer entzifferbaren Codex begleitet werden, gar nicht klar. Erst wenn die Dinge aus dem Ruder laufen, erkennt man, wie gut zuvor die selbstregulativen Mechanismen griffen: wie Schneider seine Einkäufe organisierte, wie er seine Gehilfen anwies, seine Zutaten komponierte und wie treu er selbst daran interessiert war, das Geschäft voranzutreiben.

Der Aushilfskoch arbeitete vordergründig genauso. Er kaufte selbst ein. Er kochte ganz ausgezeichnet, und man lobte mich sehr für die überraschenden Geschmäcker, die der Hilfskoch Waldemar auf der Zunge meiner Gäste zum Vorschein brachte. Waldemar hatte eine...

Aktuelle Texte

Maël Renouard

Psychopathologie des digitalen Lebens

Früher passierte es uns, Strophen von Gedichten, historische Fakten, theoretische Sätze, lateinische Wörter, etc., zu vergessen, Dinge, die man uns in der Schule lernen ließ, weil die früheren Generationen sie für wesentlich gehalten hatten – oder solche, die wir uns aus Lust, aus eigener Neigung angeeignet hatten, die aber nichtsdestoweniger aus unserem Geist zu entfliehen drohten, wenn wir uns nicht anstrengten, sie festzuhalten. Unser Gedächtnis der äußeren Kenntnisse schien verwundbar und von unserem Willen abhängig, unser persönliches Gedächtnis dagegen hatte etwas von einer Festung. Von Zeit zu Zeit wusste man nicht mehr, wer 1952 Ratspräsident oder 1970 Fußball-Weltmeister gewesen war, aber man konnte sich sagen, dass es zumindest ein Ding gab, das man niemals vergäße oder das man, es sei denn durch einen tragischen Unfall, niemals so vergessen würde wie alles Übrige, nämlich unser eigenes Leben.

Jetzt, da wir mit dem Internet über ein gigantisches mnemonisches Hilfsmittel verfügen, das fähig ist, fast...

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