Nutzerkonto

Wissenschaft

Der unbekannte Text ist ein Versprechen
Der unbekannte Text ist ein Versprechen

Michele Pedrazzi

The Next Bit. Hautnah am Körper des Unbekannten

Stellen wir uns vor, wir befinden uns in der Gegenwart eines unbekannten »semiotischen Objekts«. Es könnte sich um ein Gemälde, einen literarischen Text, ein Musikstück, ein Computerprogramm, ein kulturelles Artefakt im weitesten Sinne handeln: Das spielt im Moment keine Rolle, was uns interessiert, ist der fremde Charakter dieses Objekts, von dem wir zunächst einmal nichts wissen. Verweilen wir einen Augenblick in diesem interpretatorischen Schwebezustand. In Wirklichkeit gibt es diese Art von Tabula Rasa nicht, denn jedem Objekt, das zu uns...
OPEN
ACCESS
IT FR
  • Zeit
  • Elektronische Musik
  • Informationstheorie
  • Musik
  • Lesen
Aktuelle Texte

Dieter Mersch

Digital Disrupture

Theorien des Digitalen beziehen ihre Konjunktur aus einer zweideutigen Lage. Zum einen besitzen sie ihre Herkunft in den Visionen und Utopien der gegenkulturellen Aufklärung der 1970er Jahre, aus denen nicht nur der Personal-Computer, sondern auch die Medienwissenschaften und Medientheorien hervorgegangen sind, die den digital disrupture theoretisiert und unter Reflexion gestellt haben und nach deren Diagnose wir vor einer ebenso nachhaltigen Zäsur stehen wie die frühe Neuzeit mit der Erfindung des Buchdrucks. Alle Zeichen und Inhalte bisheriger Kulturen stehen damit auf dem Prüfstand, werden transformiert und von einer Entwicklung überholt, deren weitere Dynamik kaum absehbar ist. Die mit der Digitalisierung verbundene technologische Wende, so die allgemeine Analyse, werde alle Lebensverhältnisse dermaßen verändern und von Grund auf durchschütteln, dass mit Marshall McLuhan und dessen zusammen mit Quentin Fiore verfassten Buch, dessen Titel ironischerweise nicht lautet: The Medium is the Message, sondern The Medium is the Massage, von einer gründlichen ›Massage‹ des gegenwärtigen...

ABO EN

Book Launch, Screening, Talk: Tatsumi Hijikata’s Butoh and the Transmutation of 1960s Japan

06.07.2019, 20:00

ESPACE DIAPHANES
Dresdner Str. 118
10999 Berlin
Deutschland

 

Themen
  • Farbe und Bedeutung

    Farbe und Bedeutung

    Who is afraid of Red, Yellow, Blue…?

    • Semiotik / Semiologie
    • Bildlichkeit
    • Farbe
    • Farbenlehre
    • Monochrom
  • minima oeconomica

    minima oeconomica

    Analysen und Kritik moderner Ökonomie, deren Wissenschaft und Legitmation im Zeitalter der Finanzialisierung

    • Diskursgeschichte
    • Ökonomie
    • Wirtschaft
    • Finanzkrise
    • Finanzmärkte
    • Ökonomisierung
  • Choreographing multitudes

    Choreographing multitudes

    • Soziale Bewegungen
    • chore
    • Massenpsychologie
    • Menge
    • Schwarmforschung
    • Protestbewegungen
    • Medien des Sozialen
    • Soziale Netzwerke
Aktuelle Texte

Maria Filomena Molder

»So viele Egoisten nennen sich selbst Autoren…«

»So viele Egoisten nennen sich selbst Autoren«, schrieb Rimbaud am 15. Mai 1871 an Paul Demeny. Auch wenn es nicht immer offensichtlich scheint, ist »Ich«, die erste Person, zugleich die unbekannteste Person, ein Geheimnis, das sich ständig auf die anderen beiden, die zweite und die dritte Person, zubewegt, eine Reihe von Entfaltungen und Brüchen, die irgendwann zu »Je est un autre« verklumpte. Deshalb ist »apokryph« ein literarisch irrelevanter Begriff und »pseudo« ein Symptom, der schlagende Beweis, dass das Leben, das Schreiben, aus Echos besteht, was wiederum bedeutet, dass Einschaltungen und Diebstähle (auch dies spricht Borges an) stets das täglich Brot derjenigen sein werden, die schreiben.

Die Worte anderer, entstellte und verstümmelte Worte: Sie sind die Almosen der Zeit, die einzige Wohltat dieses Verschwenders. Und so viele andere, zumeist andere, die schrieben, und viele andere Seiten, allesamt apokryph, allesamt Echos, Spiegelungen. All dies fließt in den letzten Worten zusammen, die – zwei...

OPEN
ACCESS
EN
Aktuelle Texte

Jean-Luc Nancy

Des zétrangers des zah des zuh

Fremdartiger extraneus von draußen nicht von drinnen (intraneus) nicht von zu Hause unheimlich nicht von daheim
vor den Toren – fores foreigner nicht im Einklang zu viel odd irregulär nicht normal selten sonderbar seltsam merkwürdig besherat tapfer elegant eigensinnig durchgedreht verschroben falsch frappierend ungewöhnlich erstaunlich

 

Es ist erstaunlich wie reich wir sind an Wörtern Formen Weisen die um das seltsam Fremde des Ausländers kreisen der nicht unser Landsmann ist pas pays avec nous wie man früher in Frankreich sagte c’est un pays à moi für jemanden aus meinem Dorf meiner Gegend meiner Provinz meinem Nest

 

Reich im Übermaß für alles was nicht nah und eigen geeignet passend mitmenschlich ist kein Mitdasein

 

Denn wir nehmen an dass mit avec with stimmig gehaltvoll solide und solidarisch ist und dass das was without avecsans mitohne ist außermittig oder außermitmenschlich

 

Aber »mit« »selbig« »nah« verlangt das Abrücken das Außen

 

»Die Maschine ist eine Fremde, die Menschliches einschließt«
»Die Maschine ist eine Fremde, die Menschliches einschließt«

Gilbert Simondon

Die Existenzweise technischer Objekte

Gilbert Simondon stellt sich in seiner philosophisch-technologischen Untersuchung dem ressentimentgeladenen Ausschluss der technischen Objekte aus der menschlichen Kultur ebenso entgegen wie technokratischen Machbarkeitsvisionen der Herrschaft durch Automaten. Stattdessen plädiert er für Anerkennung und Reflexion der Existenz eines Kollektivs aus Mensch, offenen technischen Maschinen und Natur. Simondons Ansatz vereint die detaillierte Analyse der Funktionsweisen etwa von Motoren, Elektronenröhren oder frühen Computern mit weitreichenden philosophischen Erwägungen. So zeichnet er nach, wie die Existenzweise der technischen Objekte sich in den Zeitaltern von Mechanik,...
  • Technik
  • Automation
  • Erkenntnistheorie
  • Kulturtheorie
  • Anthropologie
Aktuelle Texte

Joseph Vogl

Nie mit nichts fertigwerden: der moderne Sisyphus

Wer die Ratgeberliteratur für Lohnabhängige aufschlägt, wird über die neuen Bedingungen belehrt: Das Ende beruflicher Routinen verbindet sich hier mit einem Ende erwartbarer Lebenswege, kurzfristige Engagements werden mit Mobilitätsbereitschaft kombiniert, und die tätigen Individuen finden sich diesseits älterer symbolischer Grenzen und als Arbeitsnomaden in einer Grauzone zwischen Häuslichkeit und Büro, Beruf und Privatheit, persönlichen und professionellen Verhältnissen eingestellt. Selbst- und Weltverhältnisse sind zu Investitionsfragen, Angestellte zu »Intrapreneuren« und Lohnempfänger zu »Arbeitskraftunternehmern« geworden. Andererseits hat man sich damit auf ein Leitbild von postindustriellen »Informations-« oder »Wissensgesellschaften« verpflichtet, in denen das Diktat von technologischer und ökonomischer Modernisierung gut trainierte Anpassungsreflexe verlangt. Anders als bei älteren Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben, Rechnen kann man sich nicht mehr mit dem ein für alle Mal Erlernten und Gewussten abfinden; die Durchsetzung einer Innovationskultur ist vielmehr mit der Erwartung verknüpft, dass man sich den schnellen Reproduktionszyklen von Software, gadgets, Wissensprodukten und Informationstechnologien mit der Auflösung kulturtechnischer Trägheiten...

OPEN
ACCESS
  • Jugend
  • Ökonomisierung
  • Lernen
  • Bologna-Prozess
  • Kompetenzmessung
Aktuelle Texte

Cornelia Wild

Welches Maß kennt die Modularisierung?

Die Modularisierung erfolgt im Zeichen der Verwirklichung einer globalen Idee, in der immer wieder betont wird und betont werden kann, wie sehr diese als positive Möglichkeit und nicht als negative Unterdrückung verstanden werden soll. Diese Positivierung konfrontiert uns mit der Unmöglichkeit, uns dagegen zu wehren. Da die Trennung von Selbst und Staat verwischt worden ist, bedeutet jedes Aufbegehren immer auch, sich gegen sich selbst zu wenden. Anstatt zu rebellieren, reagieren die Betroffenen mit Erschöpfung (↑ Lebensführung, studentische). Doch nicht ein Mehr an Wissen führt zur Überforderung der »neuen« Studierenden, sondern die Überforderung resultiert aus der Unmöglichkeit, das zu erwerbende Wissen in eine individuelle Praxis zu überführen. Denn in dem Moment, in dem die individualisierte Technik des rechten Maßes nicht mehr aus eigenem Wunsch heraus erfolgt, kippt sie in eine repressive Maßnahme.

OPEN
ACCESS
  • Universität
  • Bildungspolitik
  • Bürokratie
  • Bologna-Prozess