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Wissenschaft

Der unbekannte Text ist ein Versprechen
Der unbekannte Text ist ein Versprechen

Michele Pedrazzi

The Next Bit. Hautnah am Körper des Unbekannten

Stellen wir uns vor, wir befinden uns in der Gegenwart eines unbekannten »semiotischen Objekts«. Es könnte sich um ein Gemälde, einen literarischen Text, ein Musikstück, ein Computerprogramm, ein kulturelles Artefakt im weitesten Sinne handeln: Das spielt im Moment keine Rolle, was uns interessiert, ist der fremde Charakter dieses Objekts, von dem wir zunächst einmal nichts wissen. Verweilen wir einen Augenblick in diesem interpretatorischen Schwebezustand. In Wirklichkeit gibt es diese Art von Tabula Rasa nicht, denn jedem Objekt, das zu uns...
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Aktuelle Texte

Andreas L. Hofbauer

Joch des Seins

Nicht durch Natur und ihre Fährnisse wurde Domestizierung erzwungen und der ökonomische Schrein ermöglicht. Tempel- und Totenkult, Opferung und Verteilung des Fleisches – noch für Homer sind alle Schlachttiere hieria, heiliges Vieh – und die Einhegung der Wildheit produzieren symbolischen und soziokulturellen Wandel, der für sesshafte, nahrungsproduzierende Gemeinschaften zu Vektor und Motor wird. Nicht Schafe, Ziegen oder Rinder domestizierte man im Anfang, sondern das zoon logon echon selbst war es, das sich vor und unter dem selbstgeschaffenen Kult-Joch verneigte. Warum, wissen wir nicht. Darüber hinaus ist entscheidend, dass, anders als bei den Pflanzen, sich nur sehr wenige Tierarten domestizieren (zur Ressource machen) lassen und man diesen Vorgang nicht mit Zähmung verwechseln sollte. Als Epiphänomen entwickelt sich ökonomischer Sinn. Er transformiert sich vom möglichen Menschenopfer, zum Tieropfer, zu Fleischteilung, in der Frühzeit der »griechischen« Antike dann zu den obeloi (Bratspieße, versehen mit unterschiedlichen Verdickungen, die als Token für den Fleischsold der...

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Aktuelle Texte

Dieter Mersch

Digital Disrupture

Theorien des Digitalen beziehen ihre Konjunktur aus einer zweideutigen Lage. Zum einen besitzen sie ihre Herkunft in den Visionen und Utopien der gegenkulturellen Aufklärung der 1970er Jahre, aus denen nicht nur der Personal-Computer, sondern auch die Medienwissenschaften und Medientheorien hervorgegangen sind, die den digital disrupture theoretisiert und unter Reflexion gestellt haben und nach deren Diagnose wir vor einer ebenso nachhaltigen Zäsur stehen wie die frühe Neuzeit mit der Erfindung des Buchdrucks. Alle Zeichen und Inhalte bisheriger Kulturen stehen damit auf dem Prüfstand, werden transformiert und von einer Entwicklung überholt, deren weitere Dynamik kaum absehbar ist. Die mit der Digitalisierung verbundene technologische Wende, so die allgemeine Analyse, werde alle Lebensverhältnisse dermaßen verändern und von Grund auf durchschütteln, dass mit Marshall McLuhan und dessen zusammen mit Quentin Fiore verfassten Buch, dessen Titel ironischerweise nicht lautet: The Medium is the Message, sondern The Medium is the Massage, von einer gründlichen ›Massage‹ des gegenwärtigen...

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Saturnaaaaalien

Sina Dell’Anno

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  • minima oeconomica

    minima oeconomica

    Analysen und Kritik moderner Ökonomie, deren Wissenschaft und Legitmation im Zeitalter der Finanzialisierung

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    Farbe und Bedeutung

    Who is afraid of Red, Yellow, Blue…?

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Aktuelle Texte

Jean-Luc Nancy

Des zétrangers des zah des zuh

Fremdartiger extraneus von draußen nicht von drinnen (intraneus) nicht von zu Hause unheimlich nicht von daheim
vor den Toren – fores foreigner nicht im Einklang zu viel odd irregulär nicht normal selten sonderbar seltsam merkwürdig besherat tapfer elegant eigensinnig durchgedreht verschroben falsch frappierend ungewöhnlich erstaunlich

 

Es ist erstaunlich wie reich wir sind an Wörtern Formen Weisen die um das seltsam Fremde des Ausländers kreisen der nicht unser Landsmann ist pas pays avec nous wie man früher in Frankreich sagte c’est un pays à moi für jemanden aus meinem Dorf meiner Gegend meiner Provinz meinem Nest

 

Reich im Übermaß für alles was nicht nah und eigen geeignet passend mitmenschlich ist kein Mitdasein

 

Denn wir nehmen an dass mit avec with stimmig gehaltvoll solide und solidarisch ist und dass das was without avecsans mitohne ist außermittig oder außermitmenschlich

 

Aber »mit« »selbig« »nah« verlangt das Abrücken das Außen

 

Zur Kritik der Wirksamkeit in den Künsten
Zur Kritik der Wirksamkeit in den Künsten

Kathrin Busch (Hg.), Burkhard Meltzer (Hg.), ...

Ausstellen

Das Ausstellen als eine Kritik der Wirksamkeit aufzufassen, ist sicher kein ungewöhnlicher Gedanke. Man könnte die Geschichte des Ausstellens sogar in erster Linie als Widerstand gegen ein bestimmtes Verständnis von Wirksamkeit lesen. Als ästhetische Einklammerung soll die Ausstellung eine Kontinuität zur alltäglichen Handlung unterbrechen. Die Ästhetik der musealen Räume etabliert sich als Gegenbild zum zweckorientierten Umgang mit Dingen. Trotz vielfacher künstlerischer ­Initiativen, dieses Paradigma durch die Thematisierung insti­tutioneller Bedingungen oder durch die Herstellung von sozialen Interaktionen kritisch zu befragen, gehört...
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Aktuelle Texte

Elisabeth von Samsonow

Die Zeit ist reif für das Kinderspiel

Die Erde selbst hat sich auf die Produktion dieser geschlechtlichen Körper spezialisiert, die infolge der Verwertung der zweipolig organisierten Erd-Energie, welche so deutlich im Vorgang der Zellteilung, in Maiose und Mitose zu sehen ist, sich als unterschiedlich ausgestattete vorfinden. Aus diesem Grund muss der Erde selbst als primordialer Horizont des Kreatürlichen auch das Väterliche und Männliche zugestanden werden. Es ist nicht die »Schuld« der Menschen, dass sich das Erd-Weibliche und das Erd-Männliche in ihren Körpern ausdrückt, und ebenso wenig ist es ihre Aufgabe, sich um den Vorrang des Einen über das Andere zu streiten. Die Inszenierung der menschlichen Geschlechter kann und soll auf dem Hintergrund der erdlogischen parenté wieder zu einem Spiel, zu einem Kinderspiel werden. Es ist die durch die menschlichen Körper »durchgehende« Erde, die das Patent und das Privileg auf die Erfindung der geschlechtlichen Differenz besitzt und der deshalb auch die Verantwortungslast für diese Idee und dieses Werk...

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Christian Demand

Zur Sprache der Kunstkritik

Im politischen, publizistischen und wissenschaftlichen Diskurs in Sachen Kunst regieren inzwischen derart ausgeprägte volkspädagogische Reflexe, dass Konflikte nur noch höchst selten als solche überhaupt benannt, geschweige denn ausgetragen werden. 
Die fünf Prozent der Bevölkerung, die ernsthaft als potentielle Adressaten für Gegenwartskunst in Frage kommen, haben sich ihrerseits längst daran gewöhnt, ständig mit neuen hermeneutischen Herausforderungen konfrontiert zu werden, ja sie wären enttäuscht, blieben diese auf einmal aus. Das wirft ein ungünstiges Licht auf die These, zeitgenössische Kunst habe es wegen ihrer exorbitanten Komplexität und intrinsischen Sperrigkeit so besonders schwer beim Publikum. Weder hat sie es per se ungemein schwer, wie die Besucherzahlen von Großausstellungen und Kunstmessen zeigen, noch ist sie per se ungemein komplex. Das viel beschworene Gefühl, einer Zumutung ausgesetzt zu sein, das nach der kanonischen Moderneerzählung angeblich den Umgang mit dem jeweils Neuesten auszeichnet, dürfte sich für das Gros der kunstinteressierten Laien inzwischen weitaus häufiger bei der Begegnung...

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