Theorien des Digitalen beziehen ihre Konjunktur aus einer zweideutigen Lage. Zum einen besitzen sie ihre Herkunft in den Visionen und Utopien der gegenkulturellen Aufklärung der 1970er Jahre, aus denen nicht nur der Personal-Computer, sondern auch die Medienwissenschaften und Medientheorien hervorgegangen sind, die den digital disrupture theoretisiert und unter Reflexion gestellt haben und nach deren Diagnose wir vor einer ebenso nachhaltigen Zäsur stehen wie die frühe Neuzeit mit der Erfindung des Buchdrucks. Alle Zeichen und Inhalte bisheriger Kulturen stehen damit auf dem Prüfstand, werden transformiert und von einer Entwicklung überholt, deren weitere Dynamik kaum absehbar ist. Die mit der Digitalisierung verbundene technologische Wende, so die allgemeine Analyse, werde alle Lebensverhältnisse dermaßen verändern und von Grund auf durchschütteln, dass mit Marshall McLuhan und dessen zusammen mit Quentin Fiore verfassten Buch, dessen Titel ironischerweise nicht lautet: The Medium is the Message, sondern The Medium is the Massage, von einer gründlichen ›Massage‹ des gegenwärtigen...
Werner Busch (Hg.), Carolin Meister (Hg.)
Nachbilder
Beate Fricke (Hg.), Urte Krass (Hg.)
The Public in the Picture / Das Publikum im Bild
Carolin Meister (Hg.), Dorothea von Hantelmann (Hg.)
Die Ausstellung
Claudia Blümle (Hg.), Anne von der Heiden (Hg.)
Blickzähmung und Augentäuschung
Analysen und Kritik moderner Ökonomie, deren Wissenschaft und Legitmation im Zeitalter der Finanzialisierung
Die Verfahren, die Authentizität feststellen und performieren, haben sich radikal verändert, von einem inneren Wesenskern, der sich über seine Unveränderbarkeit manifestiert, zu einer dynamischen Echtzeitproduktion auf Basis multi-direktionalem Feedback. Je mehr die großen, Top-down-Erzählungen – von der Freiheit, vom Markt, vom Sozialstaat, vom technischen Fortschritt – an Bindungskraft verlieren, desto mehr gewinnen solche Bottom-up, Feedback-basierten Sinn- und Authentizitätsstrukturen an Bedeutung. Die Gefahr, dass dies die Fragmentierung der Gesellschaft weiter vorantreibt, ist sehr real. Wenn es jedoch gelingt den Kreis der Akteure, die in solche post-kybernetischen (weil kommunikations- und nicht kontrollorientierten) Feedbackschleifen einbezogen sind, zu erweitern, etwa auf Tiere, Bäume und Flüsse, so könnte daraus durchaus eine neue große Erzählung entstehen, die diese Fragmente wieder stärker miteinander verbindet.