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Wissenschaft

Eine Form für den Gesellschaftskörper
Eine Form für den Gesellschaftskörper

Igor Chubarov

Das Kollektivsubjekt oder die Masse als Subjekt

Im Grunde wurde das revolutionäre Ereignis in Evreinovs Performance auf der Ebene des theatralen Gestus und der therapeutischen Gestalt erst gestärkt und entwickelt. Auch Sergej Ejzenštejn hat sich, wenn auch später und wenn er dies auch abgestritten hat, in seinem Oktober wahrscheinlich auf Evreinovs in Fotografien und Chroniken dokumentierte Inszenierung gestützt. Anhand ebendieser Chroniken haben spätere Generationen von Sowjetbürgern die Revolution erinnert und wahrgenommen. Evreinov hat mit seiner Performance die Perspektivlosigkeit des naturalistischen Theaters bewiesen, welches einfach nur versucht, die...
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Dieter Mersch

Digital Disrupture

Theorien des Digitalen beziehen ihre Konjunktur aus einer zweideutigen Lage. Zum einen besitzen sie ihre Herkunft in den Visionen und Utopien der gegenkulturellen Aufklärung der 1970er Jahre, aus denen nicht nur der Personal-Computer, sondern auch die Medienwissenschaften und Medientheorien hervorgegangen sind, die den digital disrupture theoretisiert und unter Reflexion gestellt haben und nach deren Diagnose wir vor einer ebenso nachhaltigen Zäsur stehen wie die frühe Neuzeit mit der Erfindung des Buchdrucks. Alle Zeichen und Inhalte bisheriger Kulturen stehen damit auf dem Prüfstand, werden transformiert und von einer Entwicklung überholt, deren weitere Dynamik kaum absehbar ist. Die mit der Digitalisierung verbundene technologische Wende, so die allgemeine Analyse, werde alle Lebensverhältnisse dermaßen verändern und von Grund auf durchschütteln, dass mit Marshall McLuhan und dessen zusammen mit Quentin Fiore verfassten Buch, dessen Titel ironischerweise nicht lautet: The Medium is the Message, sondern The Medium is the Massage, von einer gründlichen ›Massage‹ des gegenwärtigen...

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60 Billiarden Moleküle

Thomas Huber

60 Billiarden Moleküle

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Sergej Eisenstein: Gespräch, Screening, Buchpräsentation mit Elena Vogman

29.06.2018, 19:00

HKW – Haus der Kulturen der Welt
John-Foster-Dulles-Allee 10
10557 Berlin
Deutschland

 

Themen
  • Farbe und Bedeutung

    Farbe und Bedeutung

    Who is afraid of Red, Yellow, Blue…?

    • Farbe
    • Bildlichkeit
    • Semiotik / Semiologie
    • Farbenlehre
    • Monochrom
  • minima oeconomica

    minima oeconomica

    Analysen und Kritik moderner Ökonomie, deren Wissenschaft und Legitmation im Zeitalter der Finanzialisierung

    • Finanzkrise
    • Ökonomie
    • Finanzmärkte
    • Ökonomisierung
    • Wirtschaft
    • Diskursgeschichte
    • Spiegel
    • Optische Täuschung
    • Blick
    • Betrachter
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Stephan Packard

Vom Scheitern und vom Widerstand als Widerstehen

Koordinatoren sind manchmal Wissenschaftler, die an der Hochschule forschen und lehren und nebenher diesen Teil der Administration im Zuge der sogenannten akademischen Selbstverwaltung (↑ Schalter) erledigen. Manchmal tun sie es auch nicht nebenher, sondern hauptberuflich: Dann haben sie eine Koordinatorenstelle, was alles von einer unbefristeten Verbeamtung bis zu semesterweisen Werkverträgen bedeuten kann. Manchmal sind die Koordinatoren auch keine Fachvertreter, sondern arbeiten in der Universitätsverwaltung. Dann werden sie regelmäßig beschuldigt, ohne Sachkenntnis die Details der Lehre regeln zu wollen – während die Kollegen sie ständig ermahnen, dem unsachlichen Gerede der Wissenschaftler nicht nachzugeben, weil die Verwaltung sonst nicht mehr bewältigt werden kann. Die Wissenschaftler unter den Koordinatoren hören dann genau diesen Vorwurf von ihren Ansprechpartnern in der Verwaltung, während die Kollegen im Fach ihnen ihren bürokratischen Ordnungswahn vorwerfen. Alle diese Vorwürfe geschehen stets zu Recht. Bisweilen gibt es neben den Bologna-Koordinatoren auch »Bologna-Beauftragte« oder »Studiengangskoordinatoren«, sodass sich die Verwirrung um Aufgaben und Kompetenzen...

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Christian Demand

Zur Sprache der Kunstkritik

Im politischen, publizistischen und wissenschaftlichen Diskurs in Sachen Kunst regieren inzwischen derart ausgeprägte volkspädagogische Reflexe, dass Konflikte nur noch höchst selten als solche überhaupt benannt, geschweige denn ausgetragen werden. 
Die fünf Prozent der Bevölkerung, die ernsthaft als potentielle Adressaten für Gegenwartskunst in Frage kommen, haben sich ihrerseits längst daran gewöhnt, ständig mit neuen hermeneutischen Herausforderungen konfrontiert zu werden, ja sie wären enttäuscht, blieben diese auf einmal aus. Das wirft ein ungünstiges Licht auf die These, zeitgenössische Kunst habe es wegen ihrer exorbitanten Komplexität und intrinsischen Sperrigkeit so besonders schwer beim Publikum. Weder hat sie es per se ungemein schwer, wie die Besucherzahlen von Großausstellungen und Kunstmessen zeigen, noch ist sie per se ungemein komplex. Das viel beschworene Gefühl, einer Zumutung ausgesetzt zu sein, das nach der kanonischen Moderneerzählung angeblich den Umgang mit dem jeweils Neuesten auszeichnet, dürfte sich für das Gros der kunstinteressierten Laien inzwischen weitaus häufiger bei der Begegnung...

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»Nur die Anthropophagie vereint uns.«
»Nur die Anthropophagie vereint uns.«

Claudia Hein

Der Kannibale

Als die europäischen Seefahrer des 15. und 16. Jahrhunderts auf einen für sie bis dato unbekannten Kontinent treffen, fällt eine Gemeinsamkeit der Berichterstattung auf: Die Bewohner des fremden Landes erweisen sich unterschiedlichen Darstellungen zufolge trotz der paradiesischen Beschaffenheit ihrer Lebenswelt als ausgesprochen gierig nach Menschenfleisch. »Mit Schrecken hörte man davon, daß die schamlosen Stämme der Menschenfresser Zehntausende von Eingeborenen verzehrt haben sollen. […] Deshalb traf man viele Gebiete, so lieblich und von der Natur gesegnet sie auch waren, ohne Einwohner an.«...
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Aktuelle Texte

Erich Hörl

Zur Kritik der kybernetischen Einstellung

Anders hat selbst den Schlüssel zur Archäologie seines ganzen Unbehagens an der Technik und seiner unablässig gegen die Technik ansprechenden Technikvergessenheit geliefert: Er hat das zentrale Gefühl des Menschen im Angesicht der Maschine ausgerechnet die »prometheische Scham« genannt, ließ dabei aber deren Vorbedingung, das Vergessen des Epimetheus, höchst symptomatisch gerade unerwähnt. Dass das selbst schon prometheisch zu nennende Gleichgewicht von Herstellen und Vorstellen verloren und das Herstellen schließlich ins Unvorstellbare überging, dieses prometheische Gefälle, das den Erben des Prometheus nach Anders berühmter Analyse die Schamröte ins Gesicht treiben sollte angesichts der Perfektion der von ihnen hervorgebrachten Geräte, wurde seinerseits, das hat Anders’ Verschweigen von Prometheus’ Bruder unterschlagen, nur auf Basis des epimetheischen Vergessens möglich. Keine prometheische, wohl aber eine epimetheische Scham sollte uns, vor allem uns Philosophen, überkommen, und dies weniger angesichts des Vergessens des Epimetheus, das den Mensch nackt beließ, als vielmehr angesichts unserer eigenen Technikvergessenheit, wo wir doch...

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  • Kybernetik
  • Technikphilosophie