Nutzerkonto

Alessandro Nova: Kirche, Nation, Individuum
Kirche, Nation, Individuum
(S. 67 – 94)

Das stürmische Meer als Allegorie, Metapher und Seelenzustand

Alessandro Nova

Kirche, Nation, Individuum
Das stürmische Meer als Allegorie, Metapher und Seelenzustand

Übersetzt von Hannah Baader und Birgit Witte

PDF, 28 Seiten

  • Heterotopie
  • Seefahrt
  • Literaturwissenschaft
  • Raumtheorie
  • Schiffbruch
  • Malerei
  • Kunstgeschichte
  • Epik
  • Kulturwissenschaft
  • Kolonialgeschichte
  • Meer

Meine Sprache
Deutsch

Aktuell ausgewählte Inhalte
Deutsch

Alessandro Nova

Alessandro Nova ist Direktor des Kunsthistorischen Instituts in Florenz (Max-Planck-Institut) und Honorarprofessor an der Universität Frankfurt a. M. Er war Assistant Professor an der Stanford University, California, USA, Professor für Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt Renaissance an der Universität Frankfurt a. M., und dort auch 2006–2007 Geschäftsführender Direktor des Zentrums zur Erforschung der Frühen Neuzeit. Seine Forschungsschwerpunkte gelten neben Methodenfragen der Kunst und Kultur der Frühen Neuzeit, insbesondere der Kunsttheorie und der
Geschichte der Wahrnehmung im 16. Jahrhundert, Leonardo Da Vincis anatomischen Studien sowie der Geschichte der Zeichnung und der Rolle der Auftraggeber und Mäzene.

Hannah Baader (Hg.), Gerhard Wolf (Hg.): Das Meer, der Tausch und die Grenzen der Repräsentation

1966 befasste sich Michel Foucault in einem Radiobeitrag mit den Negationen des Raumes, Gegenorten wie dem über die Meere schwimmenden Schiff, das für ihn zur Heterotopie par excel­lence wird. Das Meer als Archetyp des glatten Raumes, das sich dem gekerbten Raum entgegensetzt, gilt für Deleuze/Guattari als Modell für eine kritische Geschichte räumlichen Denkens. Zwischen 1935 und 1949 erhob Ferdinand Braudel in einem monumentalen historischen Wurf das Meer zum Subjekt der Geschichte, während Carl Schmitt fast gleichzeitig eine Sicht auf die Geschichte vorlegte, die sich aus dem Gegensatz von Land und Meer speist. Hans Blumenberg ist 1979 in einem berühmten Aufsatz der Metapher vom Schiffbruch nach­gegangen und verwies darin auf das Maritime als Daseinsmetapher schlechthin. Damit sind nur einige der theoretischen Modelle genannt, an die sich die Arbeiten von Literaturwissenschaftlern, Historikern, Arabisten und Kunsthistorikern anlehnen, die anlässlich einer Tagung am Kunsthistorischen Institut in Florenz entstanden. Die Beiträge nehmen das Meer als vermeintlich rechtsfreien Raum, die Geschichte der Piraterie und die Medien des Seekrieges genauso in den Blick, wie sie sich dem Meer als dem Reich des epischen Helden schlechthin widmen: der Figur des Odysseus und ihren Transformationen im Zeitalter der Entdeckungen. Sie untersuchen die Repräsentationen des Meeres in der Kartographie; die Motive von Schiffsreise und Schiffbruch; das Toben des Meeres als Toben des Bildes bei Eugène Delacroix; das Phantasma des Eismeeres und seine literarischen wie bildnerischen Manifestationen; das Motiv des fliegenden Holländers und seine historischen Gründe; die Gischt als Zwischenreich der Imagination und schließlich die filmische Verarbeitung des Meeres im italienischen Neorealismus.

Inhalt