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Karin Krauthausen: Geometrie als Schreibmedium bei Paul Valéry
Geometrie als Schreibmedium bei Paul Valéry
(S. 14 – 23)

Karin Krauthausen

Geometrie als Schreibmedium bei Paul Valéry

PDF, 10 Seiten

Der Beitrag untersucht den Einfluss der nicht-euklidischen Geometrie und Analysis situs des 19. Jahrhunderts auf die Cahiers des Schriftstellers Paul Valéry (1871–1945). Dabei geht es zum einen um den Modellcharakter der Geometrie, deren formalisierte Darstellungs- und Argumentationsverfahren Valéry als ideales Denkinstrument und zudem als universell anwendbares Schreib- und Zeichenmedium erscheinen. Dieses Modell eines formalisierten Denkens und wirkmächtigen Schreibens und Zeichnens sucht er durch Übung in seiner eigenen Schreibpraxis zu implementieren. Doch muss Valéry im Lauf von über 50 Jahren Cahiers erkennen, dass die tägliche Schreibpraxis nicht ein mathematisches Schreibregime verwirklicht, sondern ein Schreiben als Selbsttechnik installiert, bei dem allein das Schreiben eine Fortsetzung des Schreibens verlangt.
  • Formalisierung
  • Paul Valéry
  • Geometrie
  • Schreiben

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Deutsch

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Karin Krauthausen

Karin Krauthausen

ist Literatur- und Kulturwissenschaftlerin und seit 2019 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Weaving des Exzellenzclusters Matters of Activity an der Humboldt-Universität zu Berlin, wo sie zu 3D-Writing arbeitet. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören die Wirklichkeitsproduktion in der Literatur, die unruhigen Konstellationen zwischen Künsten und Wissenschaften und die Medien und Materialien des Entwurfs.

Weitere Texte von Karin Krauthausen bei DIAPHANES
Gesellschaft für Medienwissenschaft (Hg.): Zeitschrift für Medienwissenschaft 2

Nachdem Medienwissenschaft ihre periphere, parasitäre und produktive Position zu anderen Disziplinen der Geistes- und Kulturwissenschaften zunächst dadurch markierte, dass sie die Materialität der Medien als Aufschreibesysteme, Träger und Transformatoren in den Blick rückte, differenzierten neuere Ansätze das Modell eines »Dazwischen«, eines selbst nicht wahrnehmbaren Diaphanen aus. In der Genealogie der Trancemedien wiederum wurde das Immaterielle einer Funktion oder eines Kräfteverhältnisses in den Blick genommen, das Wahrnehmungseffekte im Verhältnis zu Medieneffekten untersucht, wobei genau die Kluft zwischen beiden konstitutiv für mediale Theorie wäre.

Materialität und Immaterialität des Medialen sind in den Texten des vorliegenden zweiten Heftes der Zeitschrift für Medienwissenschaft keineswegs als Opposition begriffen, sondern als Verhältnis, das Wahrnehmungen generiert – und Wahrnehmungen, die aus der Perspektive von Mediengeschichten wiederum Wissensformationen in Frage stellen. In den Differenzfunktionen von Physis | Psyche, Transzendenz | Immanenz, Präsenz | Absenz, Sinn | Sinnlichkeit, Medium | Form oder einfacher, wie es Aristoteles für die Seele vorschlägt: Schlaf | Wachen, ist es der Schnitt selbst, ein epistemologisches Unding, von dem her sich ein Anfang medientheoretischen Denkens, medialer Historiografie und auch eine Politik und Poetologie der Massenmedien rekonstruieren lässt. Doch mit dem Vergnügen, dass etwas funktioniert, sich überträgt, klappt, geht immer auch die Erfahrung einher, dass etwas unter historischen Dispositiven zusammenklappt.

Die Texte dieses Schwerpunktheftes setzen sich mit jeweils spezifischen Kulturtechniken als medialen Praktiken auseinander: Schreiben als écriture, Klangerzeugung als Schallanalyse, Filmmontage als Erinnerungssynthese, Fernsehen als Sozialisierungswahn, Verstehen als Übertragen und zuletzt: Entwerfen als Singularisierungsverfahren. Die AutorInnen der Texte widmen sich den Dingen, »denen die Anstrengungen des Wissens« (Rheinberger) gilt, und zeigen, als was ihnen zuvor die Anstrengung der Wahrnehmung gelten muss: als Wahrnehmung jenseits symbolischer Matrizen.

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