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Wissenschaft

Jede Nummer eine Art Meta-Collage
Jede Nummer eine Art Meta-Collage

Stefan Zweifel

Georges Bataille. Geschichten des Auges

Abgehackte Rinderfüße vor Schlachthöfen, gewaltige Blutstriemen am Boden, hingepinselt nicht von Francis Bacon, sondern von anonymen Metzgergesellen, dann große Zehen von Menschen, die unsere verdrängte Unbeholfenheit und Hässlichkeit zeigen sollten, oder ersterbende Fliegen, die als dunkle Wolke des Todes auf Klebepapier wimmeln, zwischen all diesen fotografischen Ekelerregungskunststücken tauchte in der siebten Nummer der Zeitschrift »Documents« 1929 auch die Fotografie einer seltsam geformten Manuskriptrolle auf: die »120 Tage von Sodom«, jene schauerlichste Abrechnung mit dem Projekt der Aufklärung, die der Marquis... OPEN
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Aktuelle Texte

Claire Denis

Fragility is the only thing I really know about me

I am not a very balanced person. I am fragile and sad – almost as described in Triste Tropiques by Claude Lévi-Strauss. I feel both those adjectives, I grew up with them. I was aware of my fragility even when I was very young – a baby, learning to walk, living somewhere in Africa and already feeling that the number of white persons was very small compared to the number of black persons and also noticing that most of the black persons that I met were gardeners or maids. I felt – I am sure I am not lying – even at that very young age, not a sense of injustice, but a sort of guilt.

Guilt for what? My parents were nice people, they treated everyone well. My father was avidly learning languages, he spoke many African languages and also Pidgin English very well and he used to speak it...

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Aktuelle Texte
“Identity, fragile, gives way to identity”

Kerstin Stakemeier

“Identity, fragile, gives way to identity”

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News + Veranstaltungen

Gespräch mit Jean-Luc Nancy: Stören! – Strategien politischer Intervention

13.06.2017, 19:30

Maxim Gorki Theater
Am Festungsgraben 2
10117 Berlin
Deutschland

 

Themen
Aktuelle Texte

Dieter Mersch

On Resistances

This essay explores the political, in particular that which we might call the vanishing of the political. We should first be aware that the terms politics and the political are polysemous and their applications are many. Politics as praxis can be used against the political as a discursive principle or attitude and, vice versa, the political as an ethos or universal category of “being-with” (Nancy) can be opposed to politics. If we take politics to mean the organization of societies and their futures, including institutional systems and the handling of conflicts, the political addresses firstly the human state of being political; our existence as zoon politikon, which has always placed us in a space of “dispute” (Lyotard), dissent or “disagreement” (Rancière). At the same time, the political denotes that discursivity in which the reasons for the structuring orders of the social are experienced as divided and posited in conflict (Aus-einander-setzungen)....

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Aktuelle Texte

Elias Kreuzmair

Das immer neue Loslegen wie neu

Das Machen steht als Konkretes dem Ziel gegenüber. Es ist eine Unruhe im Machen: Wer anfängt, wer beginnt zu machen, weiß nicht, wo es hinführt, auch wenn das Ziel vor Augen steht. Das Machen beinhaltet immer die Gefahr der Digression, wer macht, setzt sich gerade der Gefahr der Abschweifung aus. Schlimmer noch: Wer macht, kann nicht einmal sagen, ob nicht diese Abschweifung die zielführende ist oder eine zielrekapitulierende; wer macht, gibt es auf, Pläne zu machen. Das Extrem jener Verdrängung des Ziels ist dessen Leugnung: »Warum machst du das?« »Weiß nicht. Einfach machen.« Es wird schon etwas dabei herausspringen. Im Machen stellt man sich dem Scheitern, das der Plan zu verdrängen droht. Machen ist der Aufschub des Ziels und das Ende des Aufschiebens.

»Was machst du?« ist der Frage nach der Profession synonym, öffnet sie jedoch zeitlich. Sie kann sich auf den unmittelbaren Moment genauso beziehen wie auf einen längeren Zeitraum....

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Digital ‘Multitudes’?
Digital ‘Multitudes’?

Florian Cramer

Anonymous, Imageboards, Memes: Early 21st Century ePunk

The ‘cyber’-culture of the 1980s and 1990s was more than just a pop phenomenon: though, on the one hand, it was a product of science fiction novels like William Gibson’s Neuromancer (1984), films like The Matrix (1999) and early electronic social media like The Well, it was also theorized academically within cultural studies, media studies and the social sciences of the time. In cyberfeminist texts such as Donna Haraway’s Cyborg Manifesto (1983), Sadie Plant’s Zeros and Ones: Digital Women and... OPEN
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Aktuelle Texte

Michael Ott

Leitbegriffe in Richtung der Kontrollgesellschaft

Im Unterschied zum Begriff der »Bildung« haben skills und Schlüsselqualifikationen eine rhetorisch wie politisch grundsätzlich andere Qualität. Während »Bildung« zwar noch immer ein positiv gewerteter, nur auch ein sehr wolkiger Begriff ist, steht es um Termini wie »Informationskompetenz«, »Zeitmanagement« oder »Schlüsselqualifikation« ganz anders. Ihr gemeinsamer Nenner – auch in linguistischer Hinsicht – ist ihre technisch-praktische Anmutung; sie sind, wie die Sektoren des Wissens oder der Praxis, auf die sie in Komposita bezogen sind (»Medienkompetenz«), bestens segmentierbar, modularisierbar und zertifizierbar. Gemeinsam ist dem Jargon der skills auch der eklatante Funktionalismus; als Bildungsziele sind sie eben nicht an Persönlichkeiten, noch nicht einmal an Wissensbereichen oder an konkreten Tätigkeitsfeldern, sondern allein an hypothetischen Funktionen und Brauchbarkeiten der Subjekte orientiert. Und auffällig ist schließlich eine gewisse »Potentialität«: Die Begriffe leisten eine Entkopplung der vermittelten »Qualifikation« vom selbstbezüglichen, trägen »Bildungswesen« und scheinen »Kompetenzen« folglich nicht an (vergangene, vergängliche) Wissensbestände zu knüpfen, sondern an (künftige, ungeahnte) Herausforderungen.

Das Versprechen,...

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Aktuelle Texte

Tilman Reitz

Aussichten der Fehlinvestition

Die Spielräume für spezifische, ihr Arbeitsfeld umgestaltende Intellektuelle sind nach Bologna dagegen beachtlich gering; alle Experimente mit Studium, Lehre und Forschung scheinen zwischen aufgerüsteter Bürokratie und neuer Marktlogik gefangen. Akademiker, die mehr wollen, können sich aber weiter als öffentliche Intellektuelle Angelegenheiten zuwenden, die nicht in ihrem Stundenplan oder ihrer Stellenbeschreibung stehen – Demokratie im globalen Zeitalter, geistiges Eigentum und abhängige Arbeit in der Wissensgesellschaft, die Zerstörung und Vernutzung knapper Ressourcen, der technisch, ästhetisch und biopolitisch verfügbar gemachte Körper. Selbst wenn auch die Spielräume dafür im professoralen Bereich sinken sollten, hindert das niemanden anderen an Initiativen. Tatsächlich hat der akademische Betrieb offene Ränder, an denen die genannten Debatten geführt werden. Man kann hier sogar den Mechanismus erkennen, den ich oben abstrakt und historisch umrissen habe: Was als Führungswissen und orientierende Ideologie in Frage käme, wird von so vielen Kräften beansprucht und ist auf so viele nicht ganz befugte Akteure verteilt, dass es...

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