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Diskurs

Berichte aus der Fiktion
Berichte aus der Fiktion

Peter Ott

Die monotheistische Zelle oder Berichte aus der Fiktion

Ungefähr 2007 hatte ich die Idee, einen Spielfilm über eine deutsche Frau zu machen, die im Irak entführt wird. Es sollte eigentlich ein reines Kammerspiel werden, das mit zwei intradiegetischen Kameras arbeitet: einer Videokamera der Entführer, mit der sie abwechselnd ihre Geisel überwachen und Propagandavideos drehen, und der Videokamera, mit der nach ihrer Befreiung der BND-Mitarbeiter seine Befragung der Entführten dokumentiert. Der Titel sollte „Die monotheistische Zelle“ lauten und einen theologischen mit einem geheimdienstlichen Raum in Deckung bringen. Ungefähr zur selben... ABO
  • Krieg
  • Filmerfahrung
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  • Naher Osten
Aktuelle Texte

Marcus Quent

Ohne Halt

Die Allgegenwart der Kritik, ihre Dominanz in Gestalt von Themen, in Gestalt von Verhaltensweisen und Bekenntnissen, ist ein erstes Anzeichen für die Abwesenheit kritischen Denkens.

In akademischen Kreisen dominiert gegenwärtig eine regelrechte Inventarisierung und Archivierung der Kritik, eine fleißige Verwaltung des kritischen Hausrats. Hier begegnet man allerlei Relevanzprüfern und Erbschaftsverwaltern, die das Brauchbare vom Unbrauchbaren trennen und die Familienzugehörigkeiten überwachen. Kritik erstarrt, weil sie in ihren Händen oft nicht mehr ist, als der beliebige Gegenstand eines enzyklopädischen Interesses. Dieses leidenschaftslose Interesse, das von keinem Impuls geleitet, von keinem Affekt getrieben wird, kennt nichts Liebens- oder Hassenswertes. Auf der anderen Seite drängen sich vermeintliche Gegenspieler in den Vordergrund, die meinen, die Kritik als ein rein evaluatives und optimierendes Unternehmen entlarven zu können. Hier sind es nicht Aktualitätsbescheiniger und Treuhandwächter, mit denen man es zu tun bekommt, sondern juvenile Rebellen und halbstarke Aufschneider. Sie verkünden mit antiakademischen Volten, die doch mitten in der...

  • Affekte
  • Kritik
  • Öffentlichkeit
News + Veranstaltungen

Yves Netzhammer: Buchvernissage und Artist’s Talk

22.08.2017, 18:30

ETH Zürich Graphische Sammlung
Rämistrasse 101
8092 Zürich
Schweiz

Anthropocene Lecture: Bruno Latour

29.09.2017, 19:00

Haus der Kulturen der Welt
John-Foster-Dulles-Allee 10
10557 Berlin
Deutschland

Exhibition: On Series, Scenes and Sequences – FEATURE Yves Netzhammer

16.08.2017 – 03.09.2017

ETH Zürich Graphische Sammlung
Rämistrasse 101
8092 Zürich
Schweiz

 

Themen

 

Televisuelle Imagination als Kulturkritik in »The Wire«
Televisuelle Imagination als Kulturkritik in »The Wire«

Elisabeth Bronfen

Audiovisuell und romanesk

Früh in der ersten Staffel erklärt Marla, die Gattin von Cedric Daniels, die in der letzten Staffel zur Councilwoman gewählt wird: »If you don’t play, you can’t lose«. Genau diese Option aber ist nicht gegeben. Man kann nicht nicht spielen. Die aufklärerische Geste des von »The Wire« durchgeführten doppelten Blickes findet keinen Ausweg, ermöglicht lediglich eine neue Einstellung des Blicks. Als Antwort auf ein System, welches im Modus des Überwachens und Erzählens vollkommen entlarvt, nicht aber abgeschafft werden kann, liegt... ABO
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Aktuelle Texte

Stefan Heidenreich

Im blinden Fleck der Bologna-Reformer

Das Netz liegt im blinden Fleck der Bologna-Reformer (↑ Bologna-Prozess). Denn Bürokraten verwalten die Welt, wie sie ist, nicht wie sie wird. So kommt es, dass man an vielen Orten über die digitale Revolution und das Netz redet, wenn es um Fragen der Universität geht, in Europa aber über ↑ Module, Punktesysteme (↑ Leistungspunkte/ECTS) und Verwaltungs-Routinen.

Was macht die Universität mit dem Netz? Oder vielleicht doch eher anders herum gefragt: Was macht das Netz mit der Universität? Diese beiden Sätze fragen nicht nach Variationen desselben, sondern nach etwas ganz anderem.

Betrachten wir’s am Beispiel der Bibliothek, der anderen großen Institution der Bildung. Was macht die Bibliothek mit dem Netz? Sie stellt ihre Kataloge online. Sie führt Datenbanken. Sie lässt uns Bücher besser finden, schneller bestellen. Sie benachrichtigt Leser, wenn deren Leihfristen ablaufen. Sie organisiert ihren Betrieb besser, schneller und einfacher.

Aber was macht das Netz mit der Bibliothek? Es macht sie überflüssig. Denn wenn erst und...

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Aktuelle Texte

Andreas Gelhard

Psychotechnik unter Bologna-Bedingungen

Als David McClelland 1973 forderte, nicht mehr Intelligenz, sondern Kompetenzen zu testen, ging es ihm vor allem darum, berufliche Eignungsprüfungen passgenauer und gerechter zu gestalten. Anders als die zu dieser Zeit in den USA weit verbreiteten Intelligenztests, die in unterschiedlichsten Berufsfeldern dieselben Testformate verwendeten, um eine nicht weiter spezifizierbare Befähigung-zu-allem zu prüfen, sollten die neuen Formate eine ganz auf die Anforderungen einzelner Berufe zugeschnittene Auswahl ermöglichen, die zudem die diskriminierenden Seiteneffekte der Lehre von der angeborenen Intelligenz vermied. Neben seiner psychologischen Sachkenntnis brachte McClelland dabei auch seine Expertise als Unternehmensberater ein und forderte seine Kollegen auf, den Schreibtisch zu verlassen, um sich ein genaues Bild von den spezifischen Anforderungen einzelner Berufsfelder zu machen (↑ Schlüsselqualifikationen).

Das Konzept der Kompetenz markiert so einen entscheidenden Wendepunkt in der Erfolgsgeschichte psychologischer Testformate, die um 1900 mit der aufkommenden Psychotechnik und ihrem ersten bahnbrechenden Konzept, dem Intelligenzquotienten, begann.

  • Kompetenzmessung
  • Governance
  • Bildung
  • Bologna-Prozess
  • Arbeitswelt