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Kunst

Jede Nummer eine Art Meta-Collage
Jede Nummer eine Art Meta-Collage

Stefan Zweifel

Georges Bataille. Geschichten des Auges

Abgehackte Rinderfüße vor Schlachthöfen, gewaltige Blutstriemen am Boden, hingepinselt nicht von Francis Bacon, sondern von anonymen Metzgergesellen, dann große Zehen von Menschen, die unsere verdrängte Unbeholfenheit und Hässlichkeit zeigen sollten, oder ersterbende Fliegen, die als dunkle Wolke des Todes auf Klebepapier wimmeln, zwischen all diesen fotografischen Ekelerregungskunststücken tauchte in der siebten Nummer der Zeitschrift »Documents« 1929 auch die Fotografie einer seltsam geformten Manuskriptrolle auf: die »120 Tage von Sodom«, jene schauerlichste Abrechnung mit dem Projekt der Aufklärung, die der Marquis... OPEN
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  • Surrealismus
  • Georges Bataille
  • Documents
  • Fotografie
  • Körper

 

Themen
Aktuelle Texte

Rosi Braidotti

Nomadische Subjekte

Meine langjährige Beschäftigung mit dem Projekt der nomadischen Subjektivität basiert auf einer spezifischen Kartografie unserer globa­lisierten Zeit, die durch weitreichende, technologisch verursachte Transformationen unserer gesellschaftlichen, ökonomischen und poli-tischen Welten gekennzeichnet ist. Ich gehe davon aus, dass aufgrund dieser Umbrüche traditionelle Formen der Selbstdarstellung, vertraute kulturelle Bezugspunkte und uralte Denkgewohnheiten neu zusammengesetzt werden – allerdings auf widersprüchliche Art und Weise.


Unser geschichtlicher Kontext ist geprägt durch die schizoide Struktur des technologiegetriebenen, fortgeschrittenen Kapitalismus, wie ihn Deleuze und Guattari auf einleuchtende Weise beschrieben haben.


Ein Beispiel für die nichtlineare und immanent widersprüchliche Funktionsweise dieses Systems ist die große Akkumulation von Reichtum begleitet von wachsenden Ungleichheiten des Einkommens, des Wohlergehens und des Zugangs zu genau den Technologien, die unsere Wirtschaft aufrechterhalten. Ein anderes Beispiel ist das Paradoxon einer globalen Ökonomie, die durch ein dichtes Netz­werk aus Kapitalströmen und mobilen Arbeitskräften verbunden ist, welches über verschiedene Formen und Geschwindigkeiten dieser Mobilität, darunter interne und externe Migrationsflüsse,...

  • Identität
  • Gegenwartskunst
  • Kapitalismus
  • Gender
  • Digitale Kultur

 

Political Reflections on Choreography, Dance and Protest

Political Reflections on Choreography, Dance and Protest


Oliver Marchart

Dancing Politics

The human body is the most important medium through which a public space is curved out of the social. Of course, this does not always have to occur in form of a militarized collective marching in-sync through the streets. Very often it is precisely the vulnerability of bodies which is used as a ­performative medium of protest (up to the extreme point where people decide to publicly set themselves on fire). Taking this word of caution into account, we may... OPEN
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  • Occupy Wall Street
  • Aktivismus
  • Hannah Arendt
  • Handeln
  • Jean-Luc Nancy
Aktuelle Texte

Ruedi Widmer

»Das Neue kann nur bestehen, wenn es überzeugte Freunde hat«

Der Post-Kritiker hat sich vom Geschmack als Mittel der volkspädagogisch verstandenen Emanzipation emanzipiert. Als eine besondere Form des avancierten Kulturkonsumenten ist er ein sich dem Regressionsverdacht wissentlich aussetzender Genießer oder Fan der Kunst und Kultur, von ihr angefressen oder gar vergiftet: Leseratte, Bücherverschlinger, Theaterbesessener, Musikliebhaber. Die Zunge (und die mit ihr besonders eng verbundenen Körper- und Seelenfunktionen) ist sein Zentral-Organ. Die Kultur-Sensation verbindet sein Nervensystem mit dem medienkonvergenten Echoraum des An­preisens und Abratens, des Erzählens und Erinnerns, des Beschwörens und Verdammens kultureller Ereignisse und Erzeugnisse. Wobei sich sein Appetit auch auf Dinge richtet, die nur in ­diesem Echoraum geboren werden, und als deren ritueller Geburtshelfer er sich ­betätigt: Stars, Celebrities, Legenden, Mythen, Skandale. Meinungs-Marktplätze (im digitalen Zeitalter sind sie gleich­zeitig Produktions-, Vermittlungs- und Absatzstätten der Kultur) sind sein Tummelplatz. Seine Nähe zur Konsumenten- und Produzentenseite, sein Eingebettet- oder Eingenistetsein in der kulturell-medialen Nahrungskette ist sein Potential. Im Unterschied zum prototypischen Kritiker,...

  • Kulturindustrie
  • Polemik
  • Gastrosophie
Aktuelle Texte

Tim Ingold

A rock is a rock is a rock.

As an anthropologist and an academic, I am incapable of doing anything with my hands except write and play my cello. Having carried out ethnographic fieldwork in Lapland, however, I used to be able to manage a herd of reindeer – though maybe not any more. Because of the nature of this fieldwork, I became steeped in the traditions of ecological anthropology – that is, in the study of the relationships between human beings and their environments, including everything that makes life possible. But I was also interested in the study of what is nowadays called material culture. At one time, ecological anthropology and the study of material culture were so closely joined as to be virtually indistinguishable. But not any more. Indeed it seems that in recent years, students of ecological anthropology and students of material culture have been talking increasingly past one another. This is very odd, given...

  • Ding
  • Anthropologie
  • Gilbert Simondon
  • Materialästhetik
  • Gilles Deleuze