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Johannes Binotto: There Are No Subbasements
There Are No Subbasements
(S. 181 – 198)

Johannes Binotto

There Are No Subbasements
Zur Oberflächlichkeit von Film, Erinnerung und Unbewusstem

PDF, 18 Seiten

Auch wenn die Begriffe gerne verwechselt werden, sind »Unterbewusstsein«  und »Unbewusstes« doch eigentlich Gegensätze. Denn während »Unterbewusstsein« eine räumliche Hierarchie und mithin eine saubere Trennung von Bewusstsein und Verdrängtem impliziert, geht es dem Freudschen Begriff des Unbewussten gerade darum, eine derartige Separierungen fundamental in Frage zu stellen. Der Film freilich, der schon seinem Namen nach nichts anderes ist als eine Oberfläche, führt diese Verschränktheit von Bewusstem und Unbewusstem schlagend vor, ist doch im Kino die Wiederkehr des Verdrängten immer nur einen Schnitt weit entfernt. In Filmen wie Edward Dmytriks »Mirage« oder im Finale von Martin Scorseses »Gangs of New York« zeigt sich das filmische Medium als Erinnerungsfläche, auf der Unbewusstes und Wahrgenommenes aufeinanderstoßen, mit verblüffendem Effekt.

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Johannes Binotto

Johannes Binotto

ist Kulturwissenschaftler, freier Autor und Mitarbeiter am Englischen Seminar der Universität Zürich. Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte sind Filmtechnik und/als Psychoanalyse, Signalstörung und Affekt, sowie die Schnittstellen zwischen Raumtheorie, Literatur- und Medienwissenschaft.
Zu seinen diversen Publikationen zählen etwa Beiträge zu Digitalität und Fragmentierung bei James Bond; zum Mafioso als männlichem Hysteriker; zu der Übernatürlichkeit von Technicolor oder zur subversiven Aussagekraft der Rückprojektions-Technik im klassischen Hollywoodkino.
 

Weitere Texte von Johannes Binotto bei DIAPHANES
Ute Holl (Hg.), Matthias Wittmann (Hg.): Memoryscapes

Von Anfang an war Kino nicht nur Speicher und damit Form des Gedächtnisses, sondern zugleich eine sichtbare Apparatur des Erinnerns und eine differentielle Anordnung, die Erinnerungstheorien generierte. Die konstitutiv und vielfältig auf Fragmentierung beruhende Wahrnehmung im Kino ist auf unser re-membering angewiesen. Als Ort der Herstellung und Darstellung von Erinnerung hat das Kino nicht nur ein Heer von Gedächtnismetaphern, sondern auch ein ganz spezifisches Gedächtniswissen hervorgebracht.
Dieser Band untersucht die Kinematographie als Mnemographie. Gefragt wird nach filmischen Formen und Formungen des Erinnerns, nach Erinnerungseffekten und -defekten, nach Dispositiven und Phantomen, Gesten und Anamorphosen der Erinnerung, nach der spezifischen Gedächtnispolitik des Kinos, den filmischen Oberflächen des Unbewussten, nach körperlosen und verkörperten Erinnerungen, Wieder-Sehen und Wieder-Hören, traumatisierten Memoryscapes.

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